
Brauerei Aldersbach
Die Brauerei Aldersbach zählt zu den ältesten Brauereien und ist trotzdem oder genau deswegen jung und dynamisch aufgestellt. Tradition im Form des Bräustüberl und Moderne in Form der kleinen Schaubrauerei für Craftbiere und Braukurse stehen hier nebeneinander zu zeigen, dass sie gut zusammenpassen.
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Braukurs
Brauen Sie Ihr eigenes Craftbier in der gläsernen Schaubrauerei. Die Gärung dauert eine Woche, der Reifeprozess etwa 4-6 Wochen. Dann können Sie Ihr selbst gebrautes Bier zum ersten Mal testen. Enthalten sind: Moderation und Führung durch unseren Braumeister, Rohstoffe und deren Eigenschaften kennenlernen, Braurezept erstellen, Gemeinsam Craftbier brauen in der „Microbrauerei“ der Brauerei Aldersbach, Gläserkunde, Degustation verschiedener Biere, Mittagessen und Getränk, 5 l Bier pro Teilnehmer.
Infos und Buchung bei Brauerei Aldersbach
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Klick, rot, läuft
Ein Fingertipp, ein leiser Klick, auf dem Display vibriert der Aufnahme-Pegel für das Gespräch. Genauso muss es sein, sagt Ferdinand von Aretin. Das Smartphone ist heute das Studio, Mikrofon und Recorder in einem. Früher schleppte man Technik in Sudhaus-Größe, heute passt sie in die Jackentasche. Die Braukunst und das Wissen darum bleibt Tradition; die Aufzeichnung ihrer Geschichten ist längst Gegenwart.

Ferdinand von Aretin beginnt, wie so viele gute Geschichten beginnen: ganz vorn. Als „kleiner Bub“, drei, vier Jahre alt, sitzt er neben dem Vater, wenn der durch den Betrieb fährt. Das Sudhaus ist kein Spielplatz – Aldersbach liegt sieben Kilometer von daheim, und Verstecken spielt man eher in Haidenburg oder Emmersdorf. Aber die Bilder brennen sich ein: Kupfer, Dampf, der süße Geruch des Ausschlags – und eine Szene, die plötzlich Fußballgeschichte ins Klosterdorf trägt. 1986, Klaus „Auge“ Augenthaler wird Testimonial der Brauerei. „Das ist meine früheste Erinnerung, die ich glasklar vor mir habe“, sagt er. Der Vize-Weltmeister von damals und spätere Weltmeister – heute Ehrenmitglied im Bruder-Kastner-Stammtisch – schaut noch gelegentlich vorbei. Man begrüßt sich dann, wie man sich auf dem Land begrüßt: herzlich, ohne großes Getöse.
Von dort führt der Faden in die Gegenwart, die komplizierter ist als jedes Malzrezept. Profisportler werben heute selten für Bier. „Unbezahlbar“, sagt von Aretin, und meint damit weniger die Stars als die Budgets. Vor allem aber habe sich der Stellenwert verschoben: Wo früher nach dem Spiel die Halbe Weißbier floss, fließt heute Iso. „Unser Hauptproblem ist die verlorene Wertigkeit des Biers“, sagt er. Man habe sich zu häufig unter Wert verkauft – und damit einen Preiskampf befördert, der den Markt müde macht.
Müde, das passt als Stichwort auch zur großen Frage der Branche: Alkohol oder alkoholfrei? Von Aretin wägt, wie jemand wägt, der täglich darauf Antworten suchen muss. Ja, alkoholfreies Bier wächst „zweistellig“, bleibt aber eine kleine Insel unter zehn Prozent, während das restliche Meer im ersten Halbjahr um 6,5 Prozent zurückging. Und dann erzählt er die Volksfestformel, die einfacher ist als jede Absatzstatistik: Zwei Maß alkoholfrei machen satt – zwei Maß „normal“ machen Stimmung. Der Musikant kann noch so beherzt aufspielen, wenn an den Tischen die dritte Maß ausbleibt, bleibt auch der Umsatz auf der Strecke. Stadt und Land erleben das verschieden, Taxis und U-Bahnen helfen in München, der Führerschein hilft auf dem Dorf – indem man ihn behalten möchte.
Tröstlich, dass Aldersbach mehr ist als Getränkemarktlogistik. Es ist Kloster, Kirche, Kultur. Und Tourismus, betont von Aretin, sei „kein nice to have“, sondern eine Aufgabe. Corona hat vieles aus dem Tritt gebracht – selbst die prachtvolle Asamkirche stand zwischenzeitlich nicht offen – Renovierung. Nun richtet man den Kompass neu: Radwege werden besser, das E-Bike hat den Radius der Spazierfahrt erweitert, die Wirtshäuser liegen wieder erreichbar im Gelände. Wer rollt, will rasten – und wer rastet, bestellt im Bräustüberl nicht nur ein Bier, sondern (mindestens) eine Brotzeit.
Die kommt in Aldersbach gern mit einer kleinen Sensation daher, die man nicht auf jeder Karte findet: Weißbier-Schubal, jene knusprigen, weichen Brötchen, die den Wurstsalat adeln. Ein befreundeter Bäcker entwickelt sie exklusiv, das Bräustüberl backt auf – eine einfache Arbeitsteilung, die nach Geheimrezept klingt und eigentlich nur eines ist: gelebte Nachbarschaft. „Darum geht’s doch“, sagt von Aretin, „etwas zu haben, was es sonst nirgends gibt.“

Die Liste dessen, „was es sonst nicht gibt“, ist länger als ein Stammgästeabend: das älteste private Brauereimuseum (Anfang der Achtziger gegründet), eine Landesausstellung, die 2016 Aldersbach neu erblühen ließ – „so schön wie zuletzt vor der Säkularisation“ –, und als Encore die 2023 vom Haus der Bayerischen Geschichte übernommene Schau „Wirtshaussterben, Wirtshausleben“. Sie erzählt, wie sehr das Gasthaus unser Miteinander formt – und wie sehr ihm Personal, Zeit und Zuwendung fehlen. Von Aretin wünscht sich dafür mehr politische Unterstützung, denn Wirtshäuser sind Kulturgut und Garanten für Lebensqualität.

Wer Kultur sagt, darf Schaubrauerei sagen. Hier nennt man sie schlicht so – dabei ist sie Brauerei, Werkstatt und Labor in einem. Kein Widerspruch, im Gegenteil: In der großen Brauerei muss das Urhell immer gleich schmecken – Abweichung ist kein Charakter, sondern Reklamationsgrund. In der Schaubrauerei darf das Bier spielen. Von Aretin lächelt und zeigt auf eine Flasche, die gerade auf seinem Schreibtisch steht: Maibock im Williams-Fass gereift, kreiert für die Weihnachtszeit. „Noch nicht probiert“, sagt er, „aber die Vorfreude ist die schönste Freude.“ Es ist der Satz eines Menschen, der weiß, dass Geschmack aus Neugier entsteht.
Online verkauft man das alles übrigens auch – in Maßen. Der Wein macht es leichter: zwölf Flaschen ins Paket, fertig. Beim Bier frisst die Logistik den Erlös, Kisten reisen ungern mit DHL. Also setzt man auf Präsente, auf Besonderes im Karton statt Paletten im Hof.
Die alte Frage der Verpackung stellt sich nebenbei neu. Die Dose? „Zwiegespalten“ sagt von Aretin. Logistisch vorteilhaft, lichtdicht, aber teuer – teurer als die Flasche, trotz vermeintlicher Einfachheit. Hätte es das Dosenpfand nicht gegeben, stünde Deutschland heute vielleicht bei 75 Prozent Dosenanteil.
Für kleine Brauereien war das Pfand damals Rettung und Bürde zugleich. Wie es in zehn Jahren aussieht, weiß hier keiner – die Glaskugel bleibt im Leergut.

Und Aldersbach selbst? „Ein Vorzeigeort“, sagt von Aretin, und man nimmt ihm die Nüchternheit ab. Vier Wirtshäuser im Ort, Kloster, Kirche, Museen, internationale Volksmusik, ein eigenes Volksfest. Vieles davon sind die Früchte der vergangenen 15 Jahre, die das Ensemble aufblühen ließen. Wünsche für die nächsten zehn? Mehr Tourismus, ja. Noch mehr Veranstaltungen, gern. Vor allem aber: mehr Wert fürs Bier. Weniger Schlagabtausch um den billigsten Kasten, mehr Einigkeit darüber, dass Brauen eine Kunst ist, „genauso wie Wein“. Die Bierkulturregion, in der sich Brauer und Wirte an einen Tisch setzen, ist dafür ein Anfang – man redet, lacht, probiert, und immer öfter entsteht aus Gespräch eine gemeinsame Sache. So beginnt Wandel in Niederbayern gern: mit einem Stammtisch, der mehr ist als ein Kalendertermin.
Am Ende dieses Gesprächs, der Pegel längst wieder im Grünen, sagt Ferdinand von Aretin einen Satz, der bleibt. Dass er hoffe, wir besinnen uns wieder auf die kleinen, gemeinsamen Freuden. „Ein Glas Bier miteinander trinken – das ist doch ein schönes Lebensgefühl.“ Mehr Verheißung braucht es nicht. Und falls doch, steht auf seinem Schreibtisch noch dieser Maibock aus dem Williams-Fass. Die Vorfreude, man ahnt, es wird ihm schmecken.
Brauerei Aldersbach
Freiherr-von-Aretin-Platz 1
94501 Aldersbach
Bayerischer Wald
+49 8543 96040
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